Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club
Informationen rund ums Rad
vom ADFC Kreisverband Neuss e.V.
Strategischer Bahndamm bei Hülchrath
vergroessernStrategischer Bahndamm bei Hülchrath
Strategischer Bahndamm: Brücke bei Helpenstein
vergroessernStrategischer Bahndamm: Brücke bei Helpenstein
Strategischer Bahndamm: Nördliches Ende an der Erft
vergroessernStrategischer Bahndamm: Nördliches Ende an der Erft
Reiterin auf dem strategischen Bahndamm
vergroessernReiterin auf dem strategischen Bahndamm

Wir sind umgezogen! Aktuelle Berichte und Touren aus dem Kreisverband und den Ortsgruppen Dormagen, Jüchen, Kaarst, Meerbusch und Neuss finden Sie unter www.adfc-nrw.de/neuss.

Neuss

Der "Strategische Bahndamm"

Eine verhinderte Nachschublinie

Mitten durch den Kreis Neuss zieht sich ein unbenutzer Bahndamm, der nach alten Militärplänen eine Verbindung bis nach nach Lothringen hätte schaffen sollen. Aus den Plänen wurde nichts, heute sind die friedlichen Reste ein Stück Landschaft in der Landschaft, wo Reiter, Jogger, Spaziergänger und zunehmend auch Radfahrer Entspannung suchen und finden.

von Heribert Adamsky

Mal als Wall, mal ebenerdig angelegt, mal überbrückt, mal selbst über eine Brücke geführt, aber immer mit zwei Reihen alter, majestätisch hoher Bäume bestanden: Das ist der strategische Bahndamm, der sich in sanftem Schwung an der Erft bei Minkel beginnend an Helpenstein und Münchrath vorbei, zwischen Hülchrath und Neukirchen hindurch und dann durch die Felder zieht, vorbei an Ramrath und Hoeningen, bis er hinter Anstel und Butzheim am Rommerskirchener Bahnhof endet.

Noch vor wenigen Jahren nutzten nur einige ortskundige Reiter und Spaziergänger den Damm, der mit seinen hohen Bäumen bei unsicherem Wetter Schutz vor Wind und Regen bietet und im Hochsommer angenehmen Schatten spendet. Inzwischen ist er ein offen gehandelter Geheimtipp für Jogger und Radfahrer aus der weiteren Umgebung, und morgen wird es vielleicht eine der touristischen Hauptattraktionen im Kreis Neuss sein.

Militärische Vergangenheit

Der im Kreisgebiet auf etwa 14 Kilometer Länge noch erhaltene, nur an zwei Stellen von Straßen unterbrochene Damm hat eine fast hundertjährige Geschichte: Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts planten preussische Generäle, das Rhein-Ruhr-Gebiet linksrheinisch an Köln vorbei mit dem lothrinigischen Industriegebiet zu verbinden. Die Bahn hatte den strategischen Zweck, im Kriegsfall Nachschub und Truppen zu transportieren. Die Bedeutung der Eisenbahn für die Kriegslogistik hatten Militärplaner im deutsch-französischen Krieg 1870/71 und im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg erkannt. 1904 waren die Pläne für das Teilstück von von Neuss nach Rommerskirchen und weiter an die Ahr fertig und wurden zügig umgesetzt.

Doch der erste Weltkrieg verhinderte die Fertigstellung des Projekts. Im Versailler Vertrag wurde die strategische Bahn verboten, die Arbeiten mussten eingestellt werden. Zurück blieben Bahndämme, Brücken und im südlichen Abschnitt Tunnels, in denen man Champignons züchtete anstatt Munition zu transportieren. Das einzige Teilstück, das jemals in Betrieb genommen wurde, war die Strecke zwischen Rommerskirchen und Liblar. Bis 1961 verkehrten hier Personenzüge, 1971 rollte der letze Kohletransport.

Weitere Informationen zur Geschichte des Bahndamms finden Sie auf den Seiten von wisoveg.de.

Kunst- und Erholungsraum

Nördlich von Rommerskirchen fuhr niemals eine Bahn, aber bis an die Erft ist der Damm fast lückenlos intakt. Da hier keine Schienen liegen, wirkt das Bauwerk mit seinen beiden Baumreihen wie eine lange schattige Allee, auf der man als Spaziergänger stundenlang auf den Horizont zuhalten kann, ohne ihn jemals zu erreichen. Langeweile kommt aber niemals auf, denn ungefähr einmal je Kilometer wechselt der Bahndamm seinen Charakter, manchmal allmählich, manchmal unvermutet und plötzlich: Die Dichte und Höhe der Baumreihen, ihr Abstand, die Beschaffenheit des Weges, seine Breite, seine Farbe, sein Bewuchs. Irgend etwas ändert sich immer.

Der Bahndamm ist ein extrem langes, sehr schmales Stück Landschaft in der Landschaft. Wer sich auf ihm bewegt, befindet sich in einem Innenraum und schaut nach draußen auf die Felder und Dörfer. Man hat einen Blick auf sie wie aus einer Eisenbahn heraus, aber unter freinem Himmel. Dieser seltsame Zustand zwischen Innen und Außen zieht Künstler an: Auf dem Bahndamm finden sich in großen Abständen Skulpturen von Ulrich Rückriem, und erst kürzlich wurde eine Holzbrücke über die Erft gebaut, die einen nun in wenigen Minuten zum Museum Insel Hombroich gelangen lässt.

Ungewisse Zukunft

Traditionell seit langem bei Reitern und Spaziergängern bekannt, wird der Bahndamm inzwischen auch bei Radfahrern immer beliebter. Der Platz scheint für alle ausreichend zu sein. Die Benutzung erfolgt allerdings auf eigene Gefahr, vor allem im südlichen Bereich ist mit Schlaglöchern und Scherben zu rechnen. So ist der Bahndamm noch auf keiner Karte als Radweg eingezeichnet, auf Teilstrecken vorhandene Radwegschilder sind im Laufe des vergangenen Jahres entfernt worden. Fehlt das Geld für einen Ausbau, oder ist ein Mehr an Tourismus auf dem Bahndamm nicht gewünscht? Offiziell gilt er derzeit als Waldweg.

Neugierig geworden und ein bisschen abenteuerlustig? Dann schauen Sie sich die Fotos auf dieser Seite an. Oder die Bilder, die wir im vergangenen Sommer auf der Rad-KulTour des Rommerskirchener Kunst- und Kulturkreises KuKuK aufgenommen haben. Oder fahren Sie einfach mal hin und machen sich selbst ein Bild. Wir empfehlen von Norden die Zufahrt von Minkel über die neue Erftbrücke (Foto) oder von Süden her ab Anstel. Aber denken Sie daran: der Bahndamm ist für Radfahrer nicht erschlossen, es gibt einige Stellen, an denen Sie absteigen und Landstraßen überqueren, und den Abschnitt südlich von Anstel sollten Sie lieber nicht befahren. Hier drohen Schlaglöcher und Glasscherben.

Veröffentlicht: 29.03.03
Codierung Am Donnerstag, dem 27.1. codiert die Neusser Polizei von 15-18 Uhr bei Radsport Condor neben der ADFC-Geschäftsstelle auf der Erftstraße 12.
Winterdienst: Offener Brief des ADFC In einem Brief am den Bürgermeister und die Ratsfraktionen der Stadt Neuss fordert der ADFC, dass auch Radwege geräumt werden. Den Brief im Wortlaut und weitere Informationen finden Sie hier.
Am schnellsten mit dem Rad. Die NGZ ließ Fahrrad, Bus und Auto zu einer Vergleichsfahrt von der Josefstraße zum Markt antreten. Trotz winterlicher Verhältnisse kam der Radfahrer zuerst an: NGZ-Bericht mit Video.
Rad am Rhein Das Herbs- und Wintertheft mit Touren, Terminen und aktuellen Informationen zum Radfahren im Rhein-Kreis Neuss liegt in Rathäusern, Bibliotheken, Fahrradgeschäften, Radstationen und in der ADFC-Geschäftsstelle auf der Erftsstraße 12 kostenlos zur Mitnahme aus.
Luftreinhalteplan Der ADFC hat die Bezirksregierung gebeten, dem Potenzial des Radverkehrs zur Emissionsminderung im Neusser Luftreinhalteplan stärker Rechnung zu tragen.
Fahrradcodierung Alle Codiertermine der Polizei im Rhein-Kreis Neuss finden Sie hier.
Dormagener Fahrrad-Stadtplan. Pünktlich zum Fahrradtag am 5. Juni wurde der neue Fahrrad-Stadtplan für Dormagen der Öffentlichkeit vorgestellt. Highlights sind die Empfehlungen für Inliner und die Route „Rund um Dormagen“, die Stadtplan-Macher Peter Tümmers gemeinsam mit dem ADFC entwickelt hat und die demnächst auch ausgeschildert wird.
Mit dem Rad zur Klassiknacht Klassiknacht mit gepflegtem Picknick im Rosengarten, das ist mit den Jahren ein richtiges Neusser Kult-Event geworden. Der ADFC hat gezählt, wie viele am Freitagabend (15. Juni) mit dem Fahrrad gekommen sind: Es waren weit über 1000!
AOK-Radsonntag Am Sonntag fand im Neusser Rennbahnpark die Aktion Deutschland fährt Rad der AOK mit Unterstützung des ADFC statt. Lesen Sie mehr auf www.adfc-nrw.de.
Radwanderkarte Unter Federführung des ADFC Kreis Neuss wurde die Karte „Niederrhein Süd“ aktualisiert.
Von diesen Seiten verlinken wir auch auf andere Angebote. Bitte beachten Sie: Der ADFC ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internet-Seiten.
type=article&rubID=1&artID=54