Wirtschaftswege: Da geht was!
Ich wurde auf der Ratsitzung informiert, dass die Gemeinde für Lückenschlüsse und Sanierung von Radwegen nicht zuständig ist. Da es sich hauptsächlich um Kreis-, Landes- und Bundesstraßen handelt, sind die Landesstelle Strassen NRW und der Rhein-Kreis Neuss zuständig. Die Gemeinde Jüchen hat aber die Anregungen des ADFC Jüchen an die zuständigen Stellen weitergeleitet.
Bei den Wirtschaftswegen sah die Sache anders aus. Die Landwirte der Gemeinde hatten einen ähnlichen Antrag zur Sanierung von Wirtschaftswegen gestellt. Es wurde daraufhin am 15. Juni 2009 im Ausschuss für Planung, Umwelt und Verkehrsentwicklung eine Kommission für den Wegebau gegründet. Dieser Kommission sollen Vertreter der Fraktionen des Rates, der Landwirtschaft, des ADFC Jüchen und der Gemeinde angehören.
Am 17. August 2009 war es soweit, die Wegebau-Kommission tagte zum ersten Mal und einigte sich darauf, dass die Wege saniert werden sollen, die für die Landwirtschaft und für Fahrradfahrer gleichermaßen interessant sind.
Modell Rommerskirchen
Es wurde ein Verfahren vorgestellt, womit andere Kommunen schon Erfahrung haben. Dabei wird mit einem speziell entwickelten Pflug und einem Schlepper von den Landwirten der Weg abgeschoben und das neue Material eingearbeitet. Das Material wird von der Gemeinde gestellt und die Landwirte werden in Hand- und Spanndiensten die Arbeiten ausführen. So nennt man Arbeitsleistungen, zu denen sich Landwirte ihrer Gemeinde gegenüber verpflichten.
Es wurden mehrere Wirtschaftswege besichtigt, die in einem desolaten Zustand waren. Damit wir nicht stecken blieben, wurde von Rheinbraun ein geländegängiger Kleinbus gestellt. Wir befuhren die Wege zwischen Schmitzhof und Waat, Alte Heerstrasse und Dürselen, Waat und Schölenhöfe, Wey und Bontenbroich und den Wirtschaftsweg Neusser Strasse. Im Zuge der Befahrung wurde gleich eine wilde Müllkippe und an mehreren Stellen Überwuchs festgestellt, was an die zuständigen Stellen weitergeleitet wurde. In der Gemeinde Rommerskirchen besichtigten wir einen Wirtschaftsweg am Kreuzfelder Hof, der schon mit dem beschriebenen Verfahren ausgebaut worden war.
Eigenleistung
Die Gelder aus dem Konjunkturpaket II in Höhe von 10000 Euro werden für eine umfangreiche Instandsetzungsmaßnahme verwendet. Dies muss über einer Ausschreibung von einer Fachfirma durchgeführt werden, da dies die Richtlinien des Konjunkturpaketes II vorschreiben. Die Fachfirma saniert einen Wirtschaftsweg für ca. 16 Euro pro Meter mit 10000 Euro, also ca. 625 Meter. Ein Betrag von 3000 Euro, der zusätzlich im Haushalt 2009 eingestellt wurde, wird von den Landwirten verwendet. Dieser Betrag soll dann jedes Jahr in den Haushalt aufgenommen werden, um die Wegesanierung kontinuierlich fortzusetzen. Die Landwirtschaft macht diese Sanierungsarbeiten für 8 Euro pro Meter. Die Gemeinde bot den Landwirten für ihre Arbeit eine Vergütung je Schlepperstunde von 20 Euro an. Die Landwirte verzichten auf diese Vergütung zu Gunsten der Anschaffung von mehr Material. Dadurch sanieren die Landwirte mit 3.000 Euro fast genau soviel Meter wie eine Firma für 10.000 Euro. Die Landwirte benötigen für ihre Zwecke auf den sanierten Wegen nur groben Schotter. Auf Initiative des ADFC Jüchen wird der Schotter mit feinem Split überzogen und abgerüttelt. Dadurch können die sanierten Wege auch problemlos von Radfahrern benutzt werden. Als erstes wird der Weg „Neusser Strasse“ zwischen Neuenhoven und der L 31 saniert. Welche Wege als nächstes saniert werden sollen, erarbeitet die Kommission in den nächsten Treffen. Anregungen aus der Bevölkerung, welche Wege in der Gemeinde Jüchen noch für Radfahrer interessant wären, nimmt der ADFC Jüchen gerne entgegen. Gerhard Geisler, ADFC Jüchen
