Die Route führt vom Ort der ehemaligen römischen Zivilsiedlung (vicus) über die Farmbetriebe (villae rusticae), die Fundstädten alter römischer Fernwege und ein Außenlager (Kastell) ganz in den Süden der heutigen Stadt, entlang des Norfbachs zur neuzeitlichen Rekonstruktion eines Limeswachturms und zum alten von Tacitus erwähnten Römerlager castrum novesianum incl. Kybele-Kultstätte bis zurück an den Rathausbrunnen.
Auf einer hochwassergeschützten Sanddüne, etwa 2,5 km nördlich vom existierenden Römischen Lager, entstand in tiberischer Zeit (14-37 n. Chr.) eine Zivilsiedlung (vicus). Sie erstreckte sich vom Obertor bis zum Quirinusmünster und dem sogenannten Büchel, dem höchsten Punkt der Düne, auf dem heute das Rathaus steht. Nordwestlich davon schloss sich ein weitläufiges Gräberfeld an, das wie die Siedlung selbst dem Verlauf der römischen Fernstraße unter der heutigen Oberstraße folgte. Im Osten grenzte der Vicus an den Rhein, der in der Antike noch dicht an der Niederterrassenkante vorbeifloß.
Der erste (Fuß-)Weg führt uns zum Quirinusmünster, dem Neusser Wahrzeichen mit der Statue unseres Stadtpatrons Quirinus von Rom oder auch Quirinus von Neuss, denn dieser war bekanntlich ein römischer Märtyrer und Tribun aus dem 2. Jahrhundert.
Dabei lassen wir den Ort der jüngsten Neusser Römerforschung "rechts" liegen ... bis vor kurzem war dort bei einer Ausgrabung am Neusser Busbahnhof noch so einiges aus römischer Zeit zu sehen.
Mit dem Rad etwas geradeaus schiebend und dann links durch die Sebastianusstraße sehen vor uns den Hamtor- und Benno-Nussbaumplatz und vor allem die Drususallee. Die Drususallee hat Ihren Namen von Drusus, Nero Claudius, geboren am 11.4. (oder 14.1.) 38, gestorben am 14.9. 9 v. Chr., dem römischen Feldherrn, der bekanntlich einen Krieg gegen die germanischen Stämme jenseits des Rheins vorbereitete und den die Leuchte mit dem schönen Namen "Saturn", dem römischen Ackergott erhellt.
Wir selbst fahren lediglich "einmal im Kreis" und in den Wierstraetweg, am Forum Kunst und dem Blutturm vorbei Richtung (3) Clemens Sels Museum, dessen Sammlungsfokus bekanntlich römische und mittelalterliche Stadtgeschichte ist und welches in Teilen auch im benachbarten Obertor untergebracht ist.
Ein kurzer Blick nach rechts, und weiter geht es ein kurzes Stück über die Augustinusstraße, die sich wohl dort befinden mag, wo auch zu römischen Zeiten die Hauptverbindungsstraße zwischen Vicus und Kastell befand.
Wie auf dem digitalen Rekonstruktionsbild von Dietrich Rothacher zu sehen, ist bald rechts ein "freies Feld für die Landwirtschaft" - dort werden wir hinfahren.
Wir fahren zunächst gleich rechts über den neuzeitlich vorhandenen Parkplatz der Stadthalle bzw. des Dorint Hotels, dann nach rechts an den Beginn des Nordkanals.
Im Nordkanal hat Napoleon bekanntlich versucht, die Fossa Eugeniana, die alte römische Rhein-Verbindung, neu und besser wiederaufleben zu lassen. Hier könnten wir uns auch auf die Nordkanalroute und damit auf 100 Kilometer Fahrradstrecke begeben.
Aber wir wandeln ja auf römischen Spuren, und diese Feierabentour geht nur noch ca. 17 km weiter. Jezt fahren wir nach links über die Nordkanalallee, dann rechts den Selikumer Weg an der Obererft entlang und die zweite links ins Meertal. - und wir sind an einer weiteren römischen Fundstelle.
Der archäologisch erfaßbare Siedlungsraum von Novaesium erstreckte sich über eine mehrere Quadratkilometer große Fläche. Das Areal wird fast allseitig von natürlichen Hindernissen umgrenzt, dem Meertal - die heute weitgehend durch Wohnhäuser bebaute Niederung zwischen dem Ortsteil Gnadental und der Neusser Innenstadt, wo sich in römischer Zeit ein undurchdringliches Sumpfgebiet befand -, der Rhein- und Erftaue, dem Reckenberg, dem Berghäuschens Weg, dem Galgenberg und dem Katzenberg. Dort befanden sich die Farmbetriebe, villa rustica genannt.
1994 kam es dann zum Abschluss der Ausgrabungen der villa rustica im Meertal bzw. Gnadental und des fabrica-Baus im Bereich der canabae unmittelbar nördlich deds Koenen-Lagers.
Die Straßennamen der neuen Siedlung sind geprägt von ihrer Historie und so fahren wir dann den Liviniusweg und den Agrippinaweg an der Kleingartenanlage Römerlager vorbei, über den Galgenberger Weg, über die steile Fußgänger-Eisenbahnbrücke, durch den Reuschenberger Wald nahe der Pomona längs Corneliusweg zum Gut Selikum, besser bekannt als Kinderbauernhof. Wir queren den Nixhütter Weg an der Fußgängerampel vor dem Kinderbauernhof und wenden uns nach links und fahren unter der Eisenbahnbrücke nach rechts.
Weiter südlich, in Richtung Norf, wurden 1992 und 1993 schließlich auch die Reste eines spätantiken Militärlagers sowie Teile der von Marseille kommenden römischen Fernstraße gefunden, die kurz vor ihrem Endpunkt am Rhein bei Gut Gnadental die Erft quert. In den späten 90er Jahren wurden die baulichen Reste einer weiteren Militäranlage keine zwei Kilometer von der Erftmündung entfernt bei Gut Gnadental am Nixhütter Weg freigelegt, deren Erbauung von den Ausgräbern an den Anfang des 4. Jahrhunderts datiert wird. Gefunden wurden die Fundamente eines Rundturmes und zweier Mauern, errichtet aus römischem Abbruchmaterial. Danach handelte es sich um eine Kleinfestung, deren Typus von der Forschung entsprechend dem antiken Sprachgebrauch als burgus bezeichnet wird.
Wir fahren an Gnadental vorbei, über die Erftbrücke, nach rechts an der Erft entlang bis zum Schloss Reuschenberg.
1990 wurden im Gebiet einer 150 mal 200 Meter großen Sanddüne unmittelbar am Erftufer 60 Gräber einer römischen Brandgräberfeldes ausgegraben. Neben den zahlenmäßig überwiegenden Ossuariengräbern gab es auch Bustumbestattungen.
Bei Schloss Reuschenberg fahren wir nach links, entlang Kläranlage, Kapelle und Friedhof bis zur Kreuzung an der Kreuzhecke und dort wiederum links, queren den Hummelbach und fahren in den Golfplatz Hummelbachaue hinein.
Zwischen 1989 und 1994 wurde auf dem Gebiet des heutigen Golfplatzes 'Hummelbachaue', zwischen den Stadtteilen Norf und Selikum, eine römische Fernstraße auf einer Strecke von 750 Metern untersucht. Neben Resten des Straßendammes konnten drei parallel laufende Straßengräben festgestellt werden. Die Keramikfunde lassen den Schluss zu, daß der Damm nach einer ersten Phase im 1. Jahrhundert n. Chr. von 16 auf 22 Meter verbreitert wurde.
Im Golfplatz Hummelbachaue (bitte vorsichtig, achten Sie auf Golfer) rechts Richtung Clubhaus. Am Clubhaus rechts über den Parkplatz, über die Umgehungsstrassenbrücke, und links bis zum Norfbach. Vor dem Norfbach biegen wir links auf den Norfer Kirmesplatz und fahren den Norfbach entlang bis zum Gut Vellbrüggen, weiter immer am Bach durch Erfttal ganz hindurch bis zum Novotel.
Vor dem Novotel fahren wir rechts nach Derikum die Straße Am Derikumer Hof entlang bis zur Moschee, dort rechts, links und vor der Autobahnüberquerung rechts in den Nierspark. Wir durchqueren den ganzen Nierspark, hören uns quasi entlang der Autobahn bis zur Kruppstraße. Dann rechts die Jagenbergstrasse entlang immer geradeaus und spätestens ab dem Kreisverkehr am Himmelsberg (Bonner Str.) wird vor uns die Rekonstruktion eine Limesturms in der Ferne sichtbar - wir fahren nun darauf zu.
Wenn wir den Limesturm erreicht haben, wird es im weiteren Verlauf wieder Richtung Innenstadt gehen.
Castrum Novaesium a Nach der Turmbesichtigung geht es direkt nach Norden weiter auf dem Weg, den die digitale Rekonstruktion des sogenannten Koenen-Lagers zeigt. Wir fahren die Straße Am Röttgen, Rheinuferstr. und schliesslich sic ;-) Am Römerlager, bis wir die Erftbrücke erreichen, wo schon zu römischer Zeit eine Brücke bestand.
Constantin Koenen führte 1877 Grabungen auf dem Reckberg fort und legte dabei ein römisches Kleinkastell und die Fundamente eines Wachturmes frei. Sein Hauptinteresse galt jedoch der Lokalisierung des von dem römischen Historiker Cornelius Tacitus (1. u. 2. Jhd.) erwähnten Legionslagers Novaesium, das man bis dahin gemeinhin immer noch im Bereich der Neusser Innenstadt vermutete. Koenen hatte allerdings bereits 1875 die These formuliert, dass dieses Standlager außerhalb des Stadtkerns im sogenannten Neusser Feld vor Grimmlinghausen zu suchen sei. Grabungen, die 1887 unter Koenens Leitung begannen und nach 13 Jahren im Dezember 1900 abgeschlossen wurden, erbrachten hier schließlich die wahre Lage des castrum novaesium an der Erftmündung.
Heinrich Birkenheuer hat auf seiner Seite www.castrum-novaesium.de alles mit viel Liebe zum Detail beschrieben - sehr zur Online-Lektüre empfohlen. Dort finden Sie auch einen Lageplan.
Für uns Radler im 21.Jahrhundert ist von alldem nicht viel geblieben. Wir fahren über die neue Straßenbrücke, lassen die Tiberiusstraße (an der Erft, nicht am Tiber ;-) rechts liegen und biegen an der Ampel rechts auf die große Kölner Str. ein. Auf unserem Weg die Kölner Str. entlang mitten durch das Militärlager finden wir viele neue Wohnhäuser und lediglich (rückwärts blickend) ein Schild "Sie betreten das Gelände des Rämischen Lagers Novaesium" und daneben einige eher vernachlässigte Ruinenreste, aber auch eine recht informative Schautafel - die allerdings neuesten Datums. Dort an der Ampel wird uns uns dann der Weg nach links in den Grüner Weg, dann nach rechts in die Konradstrasse und die zweiter rechts auf den Gepaplatz zur Fossa Sanguinis gewiesen.
Fossa Sanguinis, die Kybele-Kultstätte
H.v. Petrikovits hat diese Stätte als eine fossa sanguinis (Blutgraben), einen Taufkeller des Kybelekults (Magna-Mater-Kult) bestimmt - welches auf dem Gebiet des ehemaligen imperium Romanum nördlich der Alpen eine Einmaligkeit darstellen würde. Der ursprünglich aus Phrygien stammende Kult der Kybele / Magna Mater war ein Mysterienkult und kam mit der Expansion der Römer in Kleinasien ins römische Einflussgebiet. Über der Fundstätte wurde ein Schutzgebäude errichtet.
Im Nachbarhaus Gepaplatz 3 können Besucher bei der Familie Heischkamp den zum Besuch des Inneren notwendigen Schlüssel ausleihen, vorherige Anmeldung erwünscht.
Zurück fahren wird wieder zum Grüner Weg und zur Kölner Straße, die wir diesmal queren, danach geht es die Humboldstraße entlang bis zu deren Ende. Rechts liegt das Tagungshotel der Telekom, die ehemalige Pädagogische Hochschule, in der sich auch ein Modell des castrum novaesium befindet. Wir biegen hinter dem Tagungshotel rechts zum Neusser Sporthafen ab, wo wir nach kurzer Strecke auf einige großen Steinblöcke aus römischer Zeit treffen. Am Sporthafen geht es links und gleich wieder links auf dem Scheibendamm durch den Rheinpark Euroga 2002, wo sich der ehemalige römische Rheinhafen befunden haben muss (Der Rhein hatte damals ein anderes Bett).
Auf dem Scheibendamm geht es unter der Autobahn durch und am Ende des im Zick-Zack geradeaus unter dem Hammfelddamm hindurch und weiter geradeaus bis zur Stresemannallee. Dort, under der Straßenbrücke Europadamm, kurz links und an der Ampel gleich wieder rechts an der Straßenbashnhaltestelle vorbei. Nun führt der Weg schnurstracks durch das Obertor zu unserem Ausgangspunkt dem Brunnen am Marktplatz zurück. Ich hoffe die kleine Tour hat ihnen Vergnügen bereitet.
Danksagung und Quellen
Diese Tour wäre kaum möglich ohne kompetente und leicht zugängliche Quellen im Internet, die ich weidlich genutzt habe. An erster Stelle steht hier die superbe Arbeit von Dr. des. Jürgen Franssen - geb. 1966 in Neuss, www.novaesium.de. Wer die Bilder betrachtet und seine Seite liest, der weiß, dass genau genommen er diesen historischen Bericht verfasst hat und ich nur gefahren bin :-) Daneben sehen Sie sich bitte unbedingt www.castrum-novaesium.de, das imposante Werk von Heinrich Birkenheuer aus Grevenbroich, an. Die Neuser Heimatfreunde sind jederzeit unter www.heimatfreunde-neuss.de einen Besuch wert - auch wenn deren Liebe eher dem Neusser Mittelalter gilt. Neusser Geschichte in Zusammenfassung mit guten Links gibt es auf dem Neusser-Marktplatz. Wer mit den Neusser Römern begonnen hat und "mehr" will findet die perfekte Liste unter www.lateinforum.de/roemer1.htm. Und wer in Neuss weilt oder wohnt und nicht regelmäßig www.neuss.de besucht und dort die offizielle digitale Stadtkarte www.neuss.de/neuss/stadtplaene benutzt, könnte schnell etwas verpassen ;-)
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Reinhold Uebbing (reinhold_at_uebbing_punkt_de)
